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Umweltbildung

  • Autorenbild: Anna Varga
    Anna Varga
  • 6. Aug. 2023
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 16. Aug. 2023

Im Kontext des Artensterbens und der Klimakrise wächst die Forderung nach umweltfreundlichem Engagement. Bewegungen wie Fridays for Future zeigen, dass die Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit die Jugend interessieren. Um eine positive Einstellung gegenüber der Umwelt zu erzielen, sollten schon früh in der Kindheit Naturerfahrungen gesammelt werden. Diese dienen als vielversprechende Anhaltspunkte für späteres positives Handeln im Bereich Natur- und Umweltschutz.

Eine frühe Förderung des Umweltinteresses ist zudem empfehlenswert, da dieses mit fortschreitendem Alter signifikant sinkt. Um dem vorzubeugen, wurde das Bildungssystem als „sozio-ökonomisches Kippelement (a.Moormann et al. 2021, S. 58) herangezogen und die Entwicklung einer Umwelthandlungskompetenz als essentielles Ziel etabliert. Die Identifikation von Fähigkeiten, die auf die Förderung von ökologischem Verhalten abzielen, hilft die Motivation für umweltschützendes Handeln zu steigern. Aus diesem Grund sollen diese Fähigkeiten zukünftig vermehrt in den Schulunterricht mit einbezogen werden. Wie sich Naturerfahrungen auf die Bildung ausüben und welche positiven Auswirkungen ein naturnaher Schulunterricht für die Heranwachsenden bereithält, soll im Folgenden erläutert werden. Zudem wird der Begriff Umweltbildung definiert.


Umweltbildung allgemein

Die Umweltbildung ist handlungsorientiert ausgerichtet und stellt einen lebenslangen Lernprozess dar. Das wichtigste Handlungsziel der Umweltbildung ist eine „zukunftsfähige Entwicklung der Menschheit angesichts der Grenzen des Wachstums auf dem Planeten Erde“ (Scheidegger 2018, S. 68). Im Bildungskontext lautet das oberste Ziel eine „Fähigkeit und Bereitschaft der Menschen, selbstbestimmt und verantwortungsbewusst die Tragfähgikeit der ökologischen Ressourcen sicherzustellen und die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft mitzugestalten“ (Scheidegger 2018, S. 68). In der Umweltbildung ist es wichtig, dass die Bildungsangebote in einem freiwilligen Rahmen als interessant, brauchbar und sinnvoll übermittelt werden.

Die didaktischen Prinzipien beinhalten sowohl die Teilnehmerorientierung, als auch die Zielgruppengerechtigkeit (Scheidegger 2018, S. 67). Die Lehrperson muss das Fachwissen und die Fertigkeiten überzeugend vermitteln, zum Lernen animieren, sowie die Lernprozesse moderieren. Jedoch sollte beachtet werden, dass das Lernen meist selbstgesteuert ist. Das bedeutet, dass die Lernenden ihre Lernprozesse selbst, z.B. anhand von Interessen lenken. Im Bereich der schulischen Bildung ist das Konzept der Umweltbildung bereits methodisch gut ausgearbeitet und beinhaltet meist einen vermittelnden Sachverständigen bzw. eine vermittelnde Sachverständige. Hingegen steckt die Umwelt-Erwachsenenbildung noch in den „Kinderschuhen“. Umweltbildung findet auch im Rahmen informeller Bildungsangebote satt. Hier fällt die Rolle eines Ausbilders, bzw. einer Ausbilderin meist weg und der Übergang von der Umweltbildung hin zur Umweltkommunikation findet fließend statt (Scheidegger 2018, S.67).


Naturerfahrungen und ihre Auswirkungen auf bildungsrelevante Faktoren

Im Bereich der Umweltbildung spielen das freie Erleben und die individuelle Selbstverwirklichung eine wichtige Rolle um Bildungsprozesse zu fördern. In einem Modell von Kaiser und Roczen werden die 3 Hauptkomponenten vorgestellt, die essentiell für die Umweltkompetenz sind (A. Moormann et al. 2021, S. 59). Zuallererst wird die persönliche Einstellung gegenüber der Natur beschrieben. Diese ist der bedeutendste Motivationsfaktor, wenn es um ökologisches Verhalten geht. Bei der Einstellung besteht eine emotionale Verbindung zu einem Gegenstand, der hier als die Umwelt präsentiert wird. Gefördert wird diese durch positive Naturerlebnisse. Je höher die Naturverbundenheit ist, umso größer ist das Umweltinteresse, sowie die ökologische Handlungsbereitschaft. Die zweite Komponente stellt das Umweltwissen dar, welches für sich allein gesehen nur einen geringen Effekt auf das Umweltverhalten ausübt. Jedoch zeigt eine Studie von Schulz aus dem Jahr 2022 auf, dass das Umweltwissen das Verhalten indirekt inspiriert (A. Moormann et al. 2021, S.61). Durch vorhandenes Umweltwissen wird eine Bewusstheit geschaffen, die einem Gründe für ein ökologisches Handeln liefert. Naturerfahrungen wirken sich zudem auf unser Interesse aus. Das Interesse an der Natur dient als aussagekräftiger Prädaikator für unser Umwelthandeln.

Zudem beschreibt das Interesse eine Bedingung für lebenslanges Lernen. Daher ist es im Bildungskontext wichtig, dass alle drei Interessenskomponenten erfüllt werden. Diese beschreiben kognitive, wertbezogene und emotionale Bereiche. Letzterer Bereich spielt insbesondere zu Beginn der Entwicklung von Interesse eine maßgebliche Rolle. Durch positive Erfahrungen und Entwicklungen, sowie durch aktives Auseinandersetzen mit der Thematik, entwickelt sich das Interesse zum Bestandteil der eigenen Persönlichkeit. Dieser Zustand des Interesses wäre erstrebenswert. Die grundlegende Voraussetzung, um überhaupt ein Interesse aufzubauen, ist die Möglichkeit sich aktiv mit einem Gegenstand auseinandersetzen zu können. Auch die Motivation wird stark durch das Naturerleben beeinflusst. So definiert Müller (2006) Interesse als gegenstandsbezogene Motivation (Wilde 2021, S. 118), die wiederum in einem Bildungsziel resultiert. Motivation ist unverzichtbar für Bildungsprozesse und ein bedeutender Prädikator für erfolgreiches Lernen. Die drei psychologischen Grundbedürfnisse der Selbstbestimmungstheorie (STD) stellen positive Motivationsqualitäten dar, die durch Erlebnisse in der Natur gefördert werden (Wilde 2021, S. 120). Das erste Grundbedürfnis, die Autonomie, besagt, dass das eigene Handeln als selbstbestimmt wahrgenommen werden soll. Naturerlebnisse rufen ein subjektives Freiheitsgefühl hervor, das zur Autonomie beiträgt. Im Bereich der Kompetenz soll die eigene Handlungsfähigkeit und Wirksamkeit erlebt werden. Durch das Experimentieren und Arbeiten mit Naturmaterialien in der Natur werden eigene Fähigkeiten erprobt. Das dritte und letzte psychologische Grundbedürfnis ist die soziale Einbindung. Nach ihr möchte sich jede Person einer Gruppe angenommen und gemocht fühlen. Durch gemeinsam bewältigte Herausforderungen, auf Wanderungen oder Expeditionen werden die Qualitäten der Beziehungen verbessert.


Der positive Einfluss von Naturerlebnissen auf das Wohlbefinden.

Das Wohlbefinden beeinflusst maßgeblich die Qualität des Lernens. Daher sollte besonders im schulischen Kontext darauf geachtet werden, dass Schüler:innen die Möglichkeiten besitzen Natur zu erleben. Denn Zeit in der Natur zu verbringen übt sich positiv auf unser Wohlbefinden aus. So werden physische, psychische und soziale Komponenten verbessert. Eine Feldstudie von Yoshifumi (Retzlaff-Fürst / Pollin 2021, S. 88) zeigt auf, dass Stress deutlich durch Naturaufenthalte reduziert wird. Zudem wird das mentale Wohlbefinden gesteigert. Auch die physiologischen Parameter werden verbessert. Beispielsweise stabilisieren sich Blutdruck sowie Herzfrequenz, das Immunsystem wird durch die vielen Kontakte mit der Umwelt verbessert und die Anzahl der Adipositaserkrankungen kann durch die reduzierte „Sitzzeit“ gesenkt werden. Nicht zu vergessen sind die Auswirkungen auf unser soziales Verhalten. Positive Gefühle, wie Stolz und Freude werden empfunden. Dazu werden die sozialen Beziehungen durch gesteigerte Kooperation und Kommunikation gestärkt. Auch berichten Personen mit ADHS, dass sie an sogenannten „green spaces“ (Retzlaff-Fürst / Pollin 2021, S. 90) die Möglichkeit finden herunterzukommen und Stress loszulassen. Nicht umsonst wurde die „grüne Pädagogik“ entwickelt, die sich dadurch auszeichnet, dass das Lernen mit dem Tun an „guten Orten“ verbunden ist (Retzlaff-Fürst / Pollin 2021, S.89). Solche „guten Orte“ sind gesundheits- und lernförderliche Gestaltungselemente, wie beispielsweise ein grünes Klassenzimmer oder Duft- und Tastgärten, an denen die Schüler:innen gerne häufig Zeit verbringen sollen.



















Lösung

1) a,c,d

2) Er beinhaltet gesundheits- und lernförderliche Elemente

3) b

4) Allein übt das Umweltwissen nur einen geringen Effekt auf das ökologische Handeln aus, jedoch inspiriert es indirekt unser Verhalten. Unser Umweltwissen wirkt bewusstseinschaffend und liefert uns dadurch Grüne umweltbewusst zu handeln. Mehr Wissen über das Umweltsystem kann somit zu einer größeren Naturverbundenheit führen.

 
 
 

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