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Waldpädagogik - Umsetzung im Unterricht

  • Autorenbild: Anna Varga
    Anna Varga
  • 5. Aug. 2023
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 16. Aug. 2023

Die Waldpädagogik ist eine faszinierende und lehrreiche Erfahrung für alle Schüler*innen. Das direkte Interagieren mit der Natur ermöglicht ihnen ein tieferes Verständnis für die Umwelt zu entwickeln, aber auch ihre Persönlichkeit und die sozialen Kompetenzen zu stärken. In Zeiten, in denen Kinder zunehmend von der Natur entfremdet sind wird die Bedeutung von Waldpädagogik deutlich. Wald erleben mit allen Sinnen (Bolay & Reichle, S.14) steht immer noch im Zentrum. Die sinnliche Erfahrung im Wald, fördert ganzheitlich und handlungsorientiert das Lernen.

Die praktischen Erfahrungen und Experimente wirken sich zum einen positiv auf das biologisch ökologische Grundverständnis aus, und fördert des Weiteren die Aufmerksamkeitsspanne und das Gedächtnis (Bolay & Reichle S.82). Schüler*innen haben direkten Kontakt zu dem Unterrichtsgegenstand, was eine besonders gute Wirkung hat. Besonders nachhaltige Entwicklung, als Bildungsauftrag der Waldpädagogik kann so erfahrbar gemacht werden (Bolay & Reichle S. 14). Daraus resultiert ein langfristiges, erhöhtes Umweltbewusstsein und ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur, so wie wir sie kennen. Grundgedanke ist die Herstellung einer positiven Beziehung für die Schüler*innen zum Wald, denn der Mensch neigt dazu, sich nur um etwas zu kümmern mit dem er verwurzelt ist. (Kuckuck und Wendland-Tembrock, 2000) In Anbetracht der Erlebnispädagogik, welche unter anderem auch mit der Waldpädagogik einhergeht können Bezüge zu der Natur noch deutlicher den Schüler*innen vermittelt werden. Ein Grundgedanke der Erlebnispädagogik ist lernen mit ganzheitlichen Sinnen, Kopf, Herz und Hand miteinander zu verknüpfen (Werner, S.35). Das gesteigerte Interesse der Schüler*innen, durch Sport, Spiel und Abenteuer im Wald, wird genutzt um ansonsten schwerfällige Unterrichtseinheiten kreativ und ansprechend zu gestalten (Werner, S.35).

Diese Art der sinnreichen Auseinandersetzung mit der Natur fördert nicht nur das Verständnis für die Umwelt, sondern wirkt sich auch positiv auf die kognitive, emotionale und soziale Entwicklung aus. Daher ist die Einbindung von Waldpädagogik in den Bildungsprozess von unschätzbarem Wert.


Ideen für außerschulischen Unterricht

Unterricht an außerschulischen Lernorten ist in jeder Schulform in den Richtlinien fest verankert. Beginnend mit den Richtlinien für die Hauptschule wird direkt zu Beginn von der Lehr- Lernform der Erkundung als eine Arbeitsform erwähnt. Bei dieser sollen Schüler*innen außerhalb der Schule recherchieren, Informationen sammeln und aufarbeiten, welche in den Unterricht einfließen können (Pohl, S.18). In vielen Bereichen des Unterrichts, insbesondere im Fach Biologie, werden Exkursionen und lebensnahe Praxis empfohlen. So wird bei der unterrichtlichen Behandlung des Themas „Die Honigbiene und ihr Nutzen für die Menschen“ ein Unterrichtsgang zum Imker empfohlen

(Pohl, S.19). Die Prinzipien des Lehrens und Lehrens an Realschulen spielen verschiedene Orientierungen wie Gegenwarts- und Zukunftsorientierung, Wissenschaftsorientierung, Erfahrungsorientierung und Handlungsorientierung eine bedeutende Rolle (Pohl, S.21). Die beschriebenen Orientierungen sollen Schüler*innen helfen, ihre persönlichen Lebenswirklichkeit selbstständig zu erschließen (Pohl, S.22). Im Fach Biologie wird von einer ganzheitlichen Vermittlung biologischer Phänomene als Grundsatz gesprochen. Der hohe Motivationswert, den die Umwelt den Schüler*innen bietet, soll durch die selbsttätige Erkundung ermöglicht werden (Pohl, S.23). Anfangs genügen, in den unteren Klassenstufen, Lernorte im nahen Umfeld der Schule, wie der Schulhof.

Im weiteren Verlauf der Schullaufbahn können diese Lernorte nun ausgeweitet werden. Städtische Biotope, Wälder, Fließgewässer und landwirtschaftlich genutzte Flächen sind in den Richtlinien von großer Bedeutung, welche unter hauptsächlich ökologischen Fragestellungen betrachtet werden können (Pohl, S.23). In dem Abschnitt der Richtlinien für das Gymnasium (Sekundarstufe 2) werden außerschulische Lernorte unter dem Begriff der Gestaltung des Schullebens erwähnt (Pohl, S. 30). In der Sekundarstufe 2 werden außerschulische Lernorte wie Schulwoche, Schulwanderungen und Studienfahrten erwähnt, welche den persönlichen Kontakt zwischen Lehrenden und Lernenden intensivieren soll. Dies mit dem Ziel, dass Unterricht und Schulleben gegenseitig gefördert und bereichert wird. Besonders die Bedeutung der Schulgärten werden hervorgehoben (Pohl, S.30). In der Oberstufe des Gymnasiums wird wert auf die Veranschaulichung der Komplexität der Vorgänge, welche im Unterricht behandelt werden, am Realobjekt gelegt. So wird von Veranschaulichung der ökologischen Wechselwirkungen vor Ort bevorzugt (Pohl, S.34). Die große Bedeutung von außerschulischem Unterricht in Form von Lehrwanderungen und Exkursionen, für die Förderung der Sozialkompetenz von Schüler*innen wird besonders betont (Pohl, S.35).


Didaktische Grundlagen der Waldpädagogik


Waldpädagogik als bildungsorientierter Ansatz, der die natürliche Umgebung des Waldes als Lernort nutzt. Doch wie kann ein praxisnahes, ganzheitliches Lernen im Wald ermöglicht werden? Der hohe Grad an Praxisorientierung zeichnet die Waldpädagogik aus. Schülerinnen und Schüler werden ermutigt, aktiv mit der Natur zu interagieren, zu erforschen und eigene Projekte zu planen und umzusetzen. Das handlungsorientierte Lernen fördert Eigenmotivation und stärkt die allgemeine Lernbereitschaft der Schüler*innen. Die Projektarbeit geht einher mit Reflexion und Transfer. Vor einem Ausflug werden Projekte geplant, die daraufhin umgesetzt und ausgewertet werden. Somit ist der Lerneffekt deutlich höher, wenn in der Klasse die Ergebnisse präsentiert werden. Dies fördert ebenfalls das soziale Gefüge der Klasse, gemeinsame Unternehmungen, Erkenntnisgewinnung, Faszination für die Natur, als Gemeinschaft erleben wirkt sich positiv auf das Zusammenarbeiten der Gruppe aus. Allgemein könnte man die die didaktischen W-Fragen (wer?, was?, wann?, mit wem?, wo?, wie?, womit?, warum und wozu?) von Werner Jank und Hilbert Meyer (1994) hinzuziehen, um solch eine Projektarbeit auszuarbeiten.

Als Zusatz könnten Lehrinhalte und Lernziele auch in der Waldpädagogik interdisziplinär vermittelt werden, um den Schüler*innen ein umfassendes Verständnis der Natur und ihrer Zusammenhänge, auch auf überfachlicher Ebene zu ermöglichen. Somit basiert Waldpädagogik auf einer ganzheitlichen und handlungsorientierten Didaktik, die den Wald als außerschulischen Lernort nutzt. Die Kombination aus erlebnisorientiertem Lernen, Praxisnähe, Interdisziplinarität und Nachhaltigkeitsorientierung ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern, ein tiefes Verständnis für die Natur zu entwickeln und sich als Teil des Ökosystems zu begreifen. Die Reflexion und der Transfer von Erfahrungen sowie die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls tragen dazu bei, dass die Waldpädagogik einen nachhaltigen Einfluss auf die Lernenden hat und sie zu verantwortungsvollen und umweltbewussten Menschen heranwachsen. Insgesamt bietet die Waldpädagogik eine wertvolle und inspirierende Bildungserfahrung, die den Schülerinnen und Schülern eine lebenslange Wertschätzung der Natur vermittelt.






 
 
 

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